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Finanzen8 Min. Lesezeit25. Februar 2026

Preiskalkulation in der Fahrzeugaufbereitung: So finden Sie den richtigen Preis

Einer der häufigsten Fehler in der Fahrzeugaufbereitung: zu günstige Preise. Viele Aufbereiter orientieren sich am Wettbewerb statt an ihren tatsächlichen Kosten. Das Ergebnis: viel Arbeit, wenig Gewinn — und irgendwann Frust. Dieser Guide hilft Ihnen, Ihre Services profitabel zu bepreisen, ohne Kunden abzuschrecken.

Warum Preiskalkulation in der Aufbereitung so wichtig ist

Fahrzeugaufbereitung ist ein Handwerk — und Handwerk hat seinen Preis. Trotzdem trauen sich viele Aufbereiter nicht, angemessene Preise zu verlangen. Sie vergleichen sich mit der Waschanlage um die Ecke oder dem Hobby-Aufbereiter auf eBay Kleinanzeigen. Das Problem: Dieser Vergleich ist falsch.

Professionelle Autoaufbereitung mit hochwertigen Produkten, Erfahrung und Sorgfalt ist eine Premium-Dienstleistung. Ihre Preise sollten das widerspiegeln. Kunden, die den Unterschied verstehen, zahlen gerne mehr — wenn Sie den Wert klar kommunizieren.

Schritt 1: Kennen Sie Ihre Fixkosten

Bevor Sie einen einzigen Preis festlegen, müssen Sie Ihre monatlichen Fixkosten kennen. Dazu gehören Miete, Versicherungen, Strom, Wasser, Abfallentsorgung, Software-Abonnements, Fahrzeug- und Gerätekosten sowie Ihr eigenes Gehalt. Teilen Sie diese Summe durch die Anzahl der produktiven Arbeitsstunden pro Monat — das ergibt Ihren Mindeststundensatz.

Beispielrechnung: Fixkosten eines Aufbereitungsbetriebs

Miete + Nebenkosten1.200 €
Versicherungen (Haftpflicht, Betrieb)250 €
Software & Tools (Buchung, Buchhaltung)100 €
Fahrzeug & Geräte (Leasing, Wartung)400 €
Eigenes Gehalt3.000 €
Gesamt4.950 €/Monat

Bei 140 produktiven Stunden = 35,36 € Mindeststundensatz (vor Gewinnmarge)

Wichtig: Produktive Stunden sind nicht gleich Arbeitsstunden. Von 8 Stunden Anwesenheit sind realistisch 5–6 Stunden tatsächliche Aufbereitungsarbeit — der Rest geht für Verwaltung, Kundenanfragen und Vorbereitung drauf. Genau diese Verwaltungszeit können Sie durch ein Online-Buchungssystem drastisch reduzieren.

Schritt 2: Variable Kosten pro Service berechnen

Jeder Service verbraucht Materialien: Reiniger, Polituren, Keramikversiegelungen, Mikrofasertücher, Polierpads, Knete. Kalkulieren Sie den Materialaufwand pro Service realistisch. Ein häufiger Fehler: Die Kosten für Verbrauchsmaterialien werden unterschätzt, weil sie pro Anwendung gering erscheinen — aber über den Monat summieren sie sich schnell auf 500–1.000 €.

Vergessen Sie auch nicht die Pufferzeit zwischen den Aufträgen. Wenn Sie nach einer Keramikversiegelung 30 Minuten für Aufräumen und Vorbereitung brauchen, ist das bezahlte Arbeitszeit, die in den Servicepreis einfließen muss.

Beispiel: Kalkulation einer Außenaufbereitung

Arbeitszeit (3 Stunden × 35 €)105 €
Material (Reiniger, Politur, Wachs)15 €
Pufferzeit (30 Min. × 35 €)18 €
Gewinnmarge (25%)35 €
Endpreis173 € → gerundet 179 €

Schritt 3: Den Wert Ihrer Arbeit kommunizieren

Kunden, die nur den günstigsten Preis suchen, sind selten Stammkunden. Positionieren Sie sich über Qualität, nicht über den Preis. Das gelingt durch:

  • Klare Service-Beschreibungen — Was genau ist in jedem Service enthalten? Je detaillierter die Beschreibung, desto verständlicher der Preis. „Professionelle Politur zur Entfernung von Kratzern" ist besser als „Stage-2-Korrektur".
  • Transparente Preise online — Kunden schätzen es, wenn sie Preise vorab sehen können. Das filtert gleichzeitig preissensitive Anfragen und zieht die richtigen Kunden an.
  • Professionelle Dokumentation — Vorher-Nachher-Fotos und ein Übergabeprotokoll zeigen dem Kunden den Wert Ihrer Arbeit. Das rechtfertigt den Preis besser als jedes Verkaufsgespräch.
  • Add-ons als Upselling — Optionale Extras wie Felgenversiegelung (+29 €) oder Lederpflege (+39 €) erhöhen den Auftragswert, ohne den Basispreis aufzublähen. Der Kunde entscheidet selbst — und fühlt sich gut dabei.

Schritt 4: Paketpreise vs. Stundenpreise

Stundenpreise wirken für Kunden oft intransparent — „Wie lange dauert es denn? Was, wenn es länger dauert?" Diese Unsicherheit schreckt ab. Paketpreise für klar definierte Services sind psychologisch einfacher: Der Kunde weiß genau, was er bekommt und was es kostet. Keine Überraschungen.

Definieren Sie feste Preise für Ihre Hauptservices und kommunizieren Sie die ungefähre Dauer. Das schafft Planungssicherheit — für Sie und Ihre Kunden. Wenn ein Service mal länger dauert, gleicht sich das über die Masse aus. Und wenn Sie Ihre Services über eine Online-Buchungsseite anbieten, sieht der Kunde Preis und Leistung auf einen Blick.

Schritt 5: Preise regelmäßig überprüfen

Materialpreise steigen, Ihre Erfahrung wächst, die Nachfrage ändert sich. Überprüfen Sie Ihre Preise mindestens halbjährlich. Zwei gute Indikatoren, dass Ihre Preise zu niedrig sind:

  • Sie belegen dauerhaft mehr als 80% Ihrer verfügbaren Zeitslots.
  • Kunden buchen sofort ohne nachzufragen — niemand verhandelt oder zögert.

Mit einer digitalen Buchungslösung haben Sie Ihre Auslastung und Umsätze jederzeit im Blick. So erkennen Sie Trends frühzeitig und können Ihre Preise datenbasiert anpassen, statt nach Bauchgefühl.

Typische Preisbereiche in Deutschland (2026)

Innenreinigung (komplett)89–149 €
Außenaufbereitung mit Politur149–249 €
Keramikversiegelung299–599 €
Komplettaufbereitung (Innen + Außen)249–449 €

Preise variieren je nach Region, Fahrzeuggröße und Leistungsumfang.

Fazit

Richtige Preiskalkulation beginnt bei Ihren Kosten, nicht beim Wettbewerb. Kennen Sie Ihren Mindeststundensatz, kalkulieren Sie Materialkosten und Pufferzeiten ein, und kommunizieren Sie den Wert Ihrer Arbeit klar. Transparente Paketpreise auf einer professionellen Buchungsseite schaffen Vertrauen und ziehen die richtigen Kunden an. Wer seine Preise im Griff hat, arbeitet profitabler — und entspannter.